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Kapetaniana

 

Nachts auf dem Meer schicke ich meine Träume voraus...

In welche Landschaften werde ich mich versenken?

Der Reiz fremder Wege und Pfade, wie schnell wird auf ihnen das Unbekannte vertraut?


Ich erahne drückende, bleigraue, sommerliche Hitzeschleier, die schweigend das Land in Stille hüllen, und Berge liegen wie Frauenbrüste in Tüchern voller Dunst verborgen.

Silbergrau sind die Blätter von uralten Olivenbäumen, die das Licht vom Schatten trennen, darunter ist die steinige Erde rötlich, und fremdartig der Zikadenklang, der das Innen nach Außen kehrt.


Ahnungslos in Erwartung steh ich an Deck und über mir spannt sich der Bogen der Nacht.

Das aufgewühlte weiße Wellenband verströmt mit den dunklen Gewässern.

Und ich frage mich: wie riecht der Morgen im Orangenhain?

Die Träume lichten sich, Sterne verblassen und das Leben bekennt sich wieder zu Farbe und Glanz.

Mit der aufgehenden Sonne im Osten erscheinen die Umrisse einer Insel im Mittelmeer.

Ich gehe an Land und lebe auf Kreta.

Schon die Anfahrt ist spektakulär, über viele Serpentinen und mit beeindruckendem Ausblick auf die Messara-Tiefebene erreicht man den Sattel und erblickt nun zuerst das libysche Meer, dann den markanten Gipfel des „Kofinas“ (1236 m) in Kegelform und danach das Dorf. Es liegt wie ein Adlerhorst in den steil zur Küste abfallenden Hängen des Asteroussia Gebirges versteckt. Der „Hausberg“ breitet seine beiden Flanken majestätisch nach Norden und nach Süden aus. Die durch die Auffaltung des Gebirges entstandene Felsenabbruchlinie ist charakteristisch für die Ansammlung von imposanten Felsgebieten aus festen grauem Kalkgestein.
Der Ausblick über das libysche Meer ist fantastisch.

Das Dorf
Kapetaniana in seiner heutigen Dorfform besteht eigentlich aus zwei Dörfern, dem Kato Kapetaniana „das untere Dorf“, und dem Pano (Ano) Kapetaniana, „das obere Dorf“. Beide Orte sind über getrennte Zufahrtswege erreichbar und für beide Orte gilt: Achtung Fußgängerzone!
Autos bleiben auf den Parkplätzen vor den Orten, die Gassen sind für den Verkehr zu schmal. Die beiden Orte verbindet ein kleiner schmaler Fußweg. Im unteren Dorf steht die byzantinische „Panagia“ Kirche (Anfang 14. Jhd.), ein Kleinod mit sehr schönen Fresken.

Die Geschichte

Ein bisschen Etymologie:
Kapetaniana: Ort, wo die „kapetanii“ wohnten, ein kapetanios war jemand, der sich in der Besatzungszeit unter keinen Umständen vereinnahmen ließ, er war unbestechlich, stolz und kämpferisch, dieses Dorf wurde nie von den Fremdherrschern besetzt, weder von den Arabern, noch von den Venezianern, noch von den Türken.
Kofinas: „kofinas“ bedeutet Korb, der Gipfel hat die Form eines umgedrehten schmalen Korbes. Er ähnelt somit der besonderen Korbform, die auf der Insel für die Herstellung von Frischkäse aus Schafsmilch benützt wird.
Alte Steine ...
In minoischer Zeit (ca. 2.500 Jahre v. Chr.) befand sich auf dem Berg ein Gipfelheiligtum, am Sattel davor lag ein Tempelzentrum, der Fruchtbarkeitsgöttin Eleithea geweiht. Bedeutende Funde, so z. B. Bronzestatuen stehen in Museen in Athen und im Archäologischen Museen in Heraklion. Heute befindet sich auf dem Berg eine steinerne Kapelle, dem „Timion stavron“ geweiht, d. h. dem „aufgerichteten Kreuz“, und jedes Jahr am 14. September gibt es die Gipfelmesse, zu der in den letzten Jahren vermehrt die Einheimischen aus den umliegenden Dörfern pilgern, sie tragen Basilikum und Brotlaibe hoch, das dort geweiht und gegessen wird.
Der Ausblick vom Gipfel ist grandios, tief unter ihm, direkt am Strand liegt das Kloster Koudouma, ein äußerst beliebtes Wallfahrtsziel.

Kirchen und Klöster ...
Die ganze Region war sehr lange wegen der extremen Unzugänglichkeit unbesiedelt. Erst zur Zeit der venezianischen Besetzung (1204 kaufte Venedig die Insel Kreta von Byzanz ab, und die Venezianer verließen die Insel erst 1668, als die Türken sie eroberten) kamen in diesen abgeschiedenen Landschaftsstrich Mönche und Äbte, zurück, die es vorzogen, rein (gnisio) orthodox (östliche Kirche) zu bleiben, und sich nicht mit der westlichen Kirche zu vermischen. So entstanden in dieser Zeit über 23 Kirchen und Klöster in den Asteroussia Bergen, die auch unter der türkischen Besatzungszeit als Geheimschulen geführt wurden. Die Panagia Kirche und die Michelangelokirche zeugen von höchster Freskenmalereikunst, denn die Äbte wollten in ihrer Abgeschiedenheit nicht auf die kunstvolle Ausstattung der Kirchen verzichten und ließen eigens Freskenmaler aus Byzanz kommen.
... so entstand das Dorf
allmählich verbreitete sich die Kunde von der zwar harten, rauen und unwirtlichen – aber wunderschönen und vor Besatzung geschützten Lage des Dorfes. Allmählich
bildete sich rund um die Klosteranlage mit der „Panagia“ Kirche ein Dorf, das sich vergrößerte, als einige Widerstandskämpfer aus dem westlichen Kreta, der Sfakia, ihre Gegend verließen, sei es der Türken wegen, sei es, dass sie vor ihren eigenen Familiengeschichten (Vendetta) flüchteten. Das Dorf erreichte seine Blütezeit, die Familien waren zahlreich, die Hänge wurden bis zum Sattel des Kofinas mit Getreide bebaut, Kühe und Schafe weideten.
In der Zeit des 2. Weltkrieges
Nun kam die Deutsche Wehrmacht, die Einheimischen mussten das Dorf verlassen, es eignete sich wegen seiner exponierten Lage zur Südküste natürlich hervorragend zur Küstenbeobachtung. Die „kapetanii“ kamen jedoch mehrmals zurück und versuchten wiederum die Deutschen zu vertreiben, es kam zu etlichen Handgreiflichkeiten, aber es gab keine blutigen Auseinandersetzungen.
In den 60-iger Jahren
Die jahrelang vernachlässigten Felder lagen brach, die Armut stieg, viele Familien wanderten nun nach „Deutschland und Österreich“ aus.
Ende der 60-iger, Anfang der 70-iger Jahre
Die „Hippies lebten in Matala, und einige von ihnen zogen über die Berge nach Kapetaniana, sie suchten nicht Frieden von der Besatzung, sondern Frieden von der Polizei. Für ein paar Jahre ließen sich 10 bis 15 Blumenkinder in der Bergabgeschiedenheit nieder.
Anfang der 80-iger Jahre
1984 kamen Luisa und Gunnar aus Österreich und kauften sich ein altes Bauernhaus.
1986 ging ihr Sohn Alex in die Dorfschule, gemeinsam mit 11 weiteren Kindern.
1988 wurde Sohn Konstantin geboren, als er 8 Jahre alt war, wurde die Dorfschule geschlossen, heute gibt es eine einzige junge Familie mit 3 kleinen Kindern. Alle anderen Kinder haben das Dorf verlassen. Die momentane Einwohnerzahl beträgt in Kato und Pano Kapetaniana gemeinsam ca. 80 Personen.
Seit 1991 führen Luisa und Gunnar eine Bergpension und veranstalten Wanderungen auf der Insel.
... im Jahre 2005 - ein Dorf erwacht!
bis vor kurzem ein Ort der Abgeschiedenheit, war es lange Zeit nur über Schotterpiste mühsam erreichbar. Nun, da die Straße fertig asphaltiert ist, erwacht es aus seinem Schlaf. Der grandiosen Aussicht und Lage des Dorfes können jetzt nur mehr wenige widerstehen, was Gäste der Bergpension/Gästehaus Kofinas schon lange wissen. Hier findet man Ursprünglichkeit, Ruhe und landschaftliche Großartigkeit. Das spricht sich nun weit herum und so manches alte verlassene Haus wird gekauft und renoviert, von populären griechischen Sängern vom Festland, kretischen Archäologen, Architekten und Malern (aus Österreich).